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Der Nabel

Der Nabel als Regulationszentrum im Rahmen der Integralen Orthopädie

Gesundheit ist die Fähigkeit des Körpers, sich an innere und äußere Veränderungen anzupassen. Voraussetzung ist die störungsfreie Vernetzung über das Bindegewebe von Organen, Muskeln, Nerven, Bindegewebe und Haut. Krankheit entsteht durch Störungen der Selbstregulation auf Grund von körperlichem, psychischem oder umweltbedingtem Stress. Vorerkrankungen oder deren Behandlung können im Bindegewebe Störfelder hinterlassen, die u.U. weit entfernte Schmerzen bedingen und eine Heilung verhindern. Störfelder sind sehr oft mit verantwortlich für viele sonst nicht ausreichend erklärbare Beschwerden. Typische Störfelder sind alle Narben, unabhängig von Größe und Lokalisation, inklusiveMandeln, Nabel, Damm, aber auch alle Drüsen wie Mandeln, Schilddrüse, Prostata sowie die Zähne, Ohren, Nase und Nasennebenhöhlen, die inneren Organe insbesondere der Darm und auch die Gelenke. Bei Stress kommt es zu Aktivierung eines oder mehrerer Störfelder. Am häufigsten betroffen sind der eng mit dem Nabel verknüpfte für die Stressregulation zuständige Oberbauch sowie die eng mit dem Vagusnerven verbundene vordere Halsregion mit Schilddrüse und Mandeln. Bei anhaltendem Stress kommt es durch eine Überlastung der Hypophysen- Hypothalamus- Nebennierenachse zu einer generalisierten, vegetativen Reaktionsstarre. Diese vermindert im ganzen Körper die Entspannungs-, Regulations- und Regenerationsfähigkeit. Normale Behandlungen sprechen nicht mehr an, der Körper kann sich nicht richtig erholen.

Normalerweise kann diese Blockade des vegetativen Nervensystems durch eine Entlastung des Nabels und der vorderen Halsregion sowie ggf. störenden Narben aufgehoben werden. Die Integrale Orthopädie sieht den Nabel als zentralen Verbindungspunkt des bindegewebigen Fasziennetz zwischen Körperoberfläche, inneren Organen und Bewegungsapparat mit Einfluss auf Hormon- und Immunsystem, Verdauungsapparat sowie Psyche. Über den Nabel ergeben sich Einflussmöglichkeiten auf die vegetativen Regulationszentren des Körpers, wie den vorderen Endast des Vagusnerven am querverlaufenden Dickdarm, das Sonnengeflecht in Nabelhöhe vor der Wirbelsäule und indirekt auf die Hypophysen- Hypothalamus- Nebennierenachse, sowie auf den Spannungszustand der willkürlichen und unwillkürlichen Muskulatur, aber auch auf den Energiezustand der Meridiane und der in der fernöstlichen Heilkunde bekannten Energiezentren, vor allem im Bauchbereich. So zeigt sich immer ein kausaler Zusammenhang zwischen Stress, Störung der körpereigenen Regulation und Schmerzen.

Die Wiederherstellung der körpereigenen Heilungskräfte erfolgt durch Auflösung der mechanischen oder energetischen Unterbrechung des Energieflusses in blockierten Gelenken, verspannten Muskeln oder störenden Narben. Über die Integrationsreflexe erfolgt eine Aufhebung der stressbedingten, vegetativen Regulationsstarre oder Hypertonie mit gleichzeitiger lokaler Schmerzreduktion.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag „So viel mehr als eine Narbe“ aus der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 23.09.2018.

Nabelintegration und vegetatives Nervensystem
Das vegetative oder autonome Nervensystem (ANS) steuert unsere unbewussten Körpervorgänge und kann auch als Bindeglied zwischen Psyche und Körper und zusammen mit dem Fasziensystem und den entsprechenden Hirnzentren als materielle Repräsentation der Psyche im Körper gesehen werden. Körperregionen, die besonders dicht mit vegetativen Nerven verbunden sind, haben entsprechend einen größeren Zusammenhang mit unserer Psyche. Unser Hauptentspannungsnerv der Vagus hat enge Verbindungen mit den sensiblen Nerven der Gesichts- ,Kiefer-, Augen- , Ohren und vorderen Halsregion. Ein Ast kehrt direkt nach Austritt des Vagus aus dem Schädel zurück und versorgt dabei die obere Nackenregion um den obersten Halswirbel, den Atlas. Die vorderen Ausläufer des Vagus enden in einem Nervengeflecht hinter dem Nabel um den querverlaufenden Dickdarmast und seine hinteren Ausläufer in einem Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins.
Dies ist wahrscheinlich eine der Ursachen für die starke Entspannungswirkung der Integrationstechniken. Aber es geht noch weiter. Der Nabel liegt in direkter Nähe zu einem der wichtigsten, vegetativen Regulationszentren des Körpers, dem Plexus Solaris oder Sonnengeflecht. Dieses befindet sich unter dem Zwerchfell, vor der Hauptschlagader (Bauchaorta), zwischen dem zwölften Brust- und ersten Lendenwirbel und ist im Zusammenspiel mit dem Vagus für die Regulierung von Anspannungszustand, Sympathikotonus oder Yang und Entspannungszustand, Parasympathikus oder Yin, insbesondere im Bereich der inneren Organe verantwortlich. Der Spannungszustand der glatten Muskulatur der Hohlorgane sowie die Drüsensekretion sind vom Zustand des Sonnengeflechts abhängig. „Das Sonnengeflecht dirigiert alle Funktionen des physischen Körpers, insbesondere Atmung, Ernährung, Wachstum, Kreislauf, Nervensystem. Blockaden des Sonnengeflechtes führen zu Zirkulationsstörungen im Blutkreislauf, im lymphatischen und energetischen System. Es resultieren Ablagerungen und Verschlackungen, die zu einer Vielzahl spiritueller, seelischer (geistiger), emotionaler und physischer Beschwerden führen können. In Folge der Verbindung mit den inneren Organen wie Leber, Magen, Bauchspeicheldrüse etc. und seiner Funktion als Speicher der Lebensenergie (Qi) führt ein Ungleichgewicht oder eine Blockade des Sonnengeflechts durch Traumata oder physischen, emotionalen oder seelischen Stress zu einem Ungleichgewicht des ganzen Körpers“. (Damian Alvarez: El plexo solar)
Patienten, die autogenes Training praktizieren, spüren durch die Nabelintegration eine ausgeprägte Steigerung von Entspannung und Wärmegefühl im Vergleich zu ihrer gewohnten, bewussten Aktivierung des Sonnengeflechts mit der Suggestion: „Sonnengeflecht strömt“. Wenn die Neuraltherapeuten und Kinesiologen Recht haben mit ihrer Deutung der vegetativen Reaktionsstarre oder              Hypertonie als Hinweis auf eine Regulationsstörung des Sonnengeflechtes, dann bietet die Nabelintegration eine einfache, effektive und in der Wirkung überprüfbare Entlastung für das vegetative Ne0-vensystem, insbesondere auch im Bereich des Sonnengeflechtes. Abgesehen von der nachweisbaren Auflösung der Beckenverwringung, verbesserten Vorbeugung im Stand, also Entspannung der Kniebeuger oder verbesserten Armabspreizung kann auch eine Harmonisierung der Herzfunktion durch graphische Darstellung des Herzfrequenzmusters als Indiz für die Wirkung der Nabelintegration auf das vegetative Nervensystem dienen. ( siehe heartmaths).
Die Hauptwirkung der Nabelintegration liegt jedoch wahrscheinlich in der engen Verflechtung des sympatischen Nervensystems mit dem Fasziensystem. Sowohl über die Entlastung des Nabels, des zentralen Verbindungspunkt des Fasziensystems, als auch über die Entlastung von Haut- und Bindegewebsrezeptoren mit der zweiten Hand werden unendlich viele kleine fasziale Schaltzentren und damit entsprechend viele sympathische Nervenendigungen entspannt. Die Entspannung des ANS zeigt sich direkt an einer vertieften Atmung, verstärkten Darmgeräuschen etc. und die damit verbundene Entspannung des Fasziensystems an einer Auflösung der Beckenverwringung, Aufrichtung der Haltung, Entspannung der Gesichtszüge und des Kiefers, der Augen mit vermehrter                            Ausstrahlung, des Kehlkopfes mit einer tieferen Stimme. Die Auswirkung auf die Psyche zeigt sich an einer größeren Gelassenheit bei gleichzeitig stärkerer emotionalen Schwingungsfähigkeit.

Der Nabel als Urnarbe
Der Fötus im Mutterleib zeigt sehr früh ein eigenständiges, selbstregulierendes Verhalten. Es dient u. a. der Erforschung seines Körpers und seiner Umgebung. Die Sprache des Körpers, insbesondere Mimik und Gestik, weisen auf Bedürfnisse, Interessen, Begabungen, Lernprozesse und Gefühle, auf gute und schlechte Träume hin. Ab der 10. Woche sind alle komplexen Bewegungen, z. B. das akti-ve Drehen in der Gebärmutter, die Zuwendung auf liebevolle Berührung des Bauches oder heftiges Treten gegen die Bauchwand bei unangenehmen Geräuschen oder Belästigung durch Ultraschallun-tersuchungen oder gar Fruchtwasserpunktionen zu beobachten. Zwillinge wurden dabei beobachtet, wie sie sich gegenseitig wecken oder durch die Eihülle hindurch küssen, was mit einer entsprechen-den als Lächeln gedeuteten Mimik beantwortet wird (Chamberlain bei Janus/Haibach).
Gleichzeitig ist der Fötus „über die physiologischen Äquivalente von Emotionen wie hormonelle Veränderungen im Blut, der Qualität der Sauerstoffzufuhr, Veränderungen der Herzfrequenz etc. quasi an die Gefühlswelt der Mutter angeschlossen“, beschreibt das Institut für Persönlichkeitsent-wicklung und Psychotherapie, Nijmegen (Hüther/Weser). Das Gleiche gilt für die Verbindung mit dem mütterlichen Stoffwechsel und das Immunsystem. Mutter und Kind sind aber nicht nur unbewusst, sondern nachweislich auch bewussst miteinander verbunden. Konzentriert sich die Mutter auf ihren Fötus, synchronisieren sich die Rhythmen beider Herzschlagfrequenzen und Gehirnstromkurven (siehe hearth maths).
Die Nabelschnur ist dabei die einzige direkte Verbindung zwichen Fötus und Mutter, des entstehen-den Individuums mit seiner ihn nährenden und beschützenden, aber oft auch belastenden Umwelt. Fötus und Mutter essen, trinken, rauchen, nehmen Medizin, erleben Freude, Trauer, Ärger, Aufre-gung und auch jeden Stress gemeinsam. Über die Nabelschnur besteht eine körperlich-seelische Einheit zwischen dem entstehenden Kind und seiner Mutter bzw. dem Leben. Der kindliche Nabel erfährt die mütterliche Reaktion auf das Leben über die Zusammensetzung des Nabelbluts ein-schließlich Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt sowie pH-Wert des Blutes, über den Rhythmus des Herzschlages und den Blutdruck. Über die Nabelgefäße werden alle Nährstoffe, aber auch Stress-hormone wie Cortisol dem kindlichen Organismus zugeführt und alle Stoffwechselschlacken ent-sorgt. Mütterliche Stresshormone, genauso wie therapeutisch zugeführtes Cortison, erhöhen dabei im Kind nicht nur das Risiko für die typischen stressbedingten Erkrankungen, sondern bewirken auch eine Störung der Gehirnreifung mit erhöhtem Risiko von Intelligenz- und Konzentrationsstö-rungen sowie späteren Depressionen (bei Katrin Neubauer). Umgekehrt leiden Kinder, deren Mütter einer stressbedingten Nebenniereninsuffizienz mit Erschöpfung der Hormone wie Cortisol ausge-setzt waren, nach der Geburt ebenfalls unter einer Schwäche der Nebennieren und sind stressanfälliger.
Parallel zu der Informationsflut über die Nabelgefäße erlebt der Nabel über die zahlreichen freien Nervenendigungen und Rezeptoren des sympathischen Nervensystems in der Nabelfaszie die ent-sprechende Reaktion des mütterlichen und fötalen vegetativen Nerven- und Fasziensystems. Das sich entwickelnde fötale Fasziensystem nimmt die physiologische Steuerungsfähigkeit des mütterli-chen vegetativen Nervensystems zwischen Stress- und Entspannungszustand genauso wahr wie eine Fixierung des mütterlichen Organismus im Sympathikotonus mit der damit verbundenen Reaktion des mütterlichen und kindlichen Fasziensystems. Die Nabelfaszie beteiligt sich aber auch aktiv an der Regulation der Informationszufuhr. Dabei zeigt sich die Verbindung von Gedanken und Emoti-onen mit dem Fasziensystem z. B. daran, dass bereits der Gedanke der Mutter an Nikotin zu einer Verengung der Nabelschnur führen kann. Auch zeigen Ultraschalluntersuchungen, dass Föten nicht nur sehr oft mit ihrer Nabelschnur spielen, sondern diese gelegentlich auch aktiv zusammendrü-cken.
Nabel und Fasziensystem erleben unter aktiver Mitbeteiligung die individuelle Entwicklung von Stressreaktionen, Schmerz, Furcht, Trauer, aggressivem Verhalten, aber auch Freude, Zuneigung, Lernen, Erinnerung, Vorlieben und aktiver Kommunikation mit der Umwelt. Das sogenannte Zell-gedächtnis bzw. das Schwingungsmuster der Nabelfaszie speichert möglicherweise, wie andere Narben auch, Emotionen sowie die dazugehörigen und andere Erfahrungen des vegetativen und faszialen Systems, also auch den Umgang mit Stress. Der Nabel würde dann sowohl die traumati-schen Erfahrungen als auch die Essenz des gesamten fötalen Individuationsprozesses und des Ent-bindungsprozesses speichern. Die Entstehung des Nabels nach Durchtrennung der Nabelschnur steht somit als Urnarbe für die Entstehung des selbstständigen Menschen und seine Trennung von der direkten Verbindung mit dem Leben.
Der Basler Psychiater Peter Schindler, Präsident der Internationalen Studiengemeinschaft für Prä- und Perinatale Psychologie und Medizin Schweiz, beschreibt die Geburt als das vielleicht prägends-te psychische Erlebnis überhaupt. Klaus Käppeli, Körperpsychotherapeut in St. Gallen, erklärt dies u. a. auch aufgrund der Erfahrung des Übergangs vom maximalen Stresszustand in einen Entspan-nungszustand.
Die Bewältigung des Überganges von der Einheit und Geborgenheit durch ein Stadium der größten Enge, Angst und Verzweiflung in einen Zustand der selbstständig lebensfähigen Getrenntheit und relativen Selbstständigkeit macht die Geburt m. E. zu dem grundlegenden, formenden Erlebnis der menschlichen Entwicklung. Ein Erlebnis, das im positiven Fall das Urvertrauen in das Leben unter-stützen könnte, und zwar sowohl auf der seelischen, aber auch auf den muskulären, faszialen, vege-tativen und zentralnervösen Ebenen.
Im negativen Fall jedoch kann eine komplizierte Entbindung eine anhaltende Belastung des Säuglings bedingen. Der kindliche Organismus kann über lange Zeit im Stressmodus verbleiben mit den entsprechenden Reaktionen des Stoffwechsels und des vegetativen Nerven- und Fasziensystems. Entsprechend häufig zeigen sich dann Beckenverwringungen, ISG- und Atlasfehlstellungen mit den dadurch initiierten Folgen, die uns schlimmstenfalls ein Leben lang begleiten können. Bei einer Periduralanästhesie oder Vollnarkose der Mutter wird das Urvertrauen zusätzlich dadurch erschüt-tert, dass der Fötus die eigene extreme Stressreaktion verschieden von der mütterlichen Reaktion erlebt. Bei einem Kaiserschnitt oder einer vorzeitigen Entbindung fehlt auch oft die durch den Ein-satz der Wehen signalisierte Bereitschaft des Fötus zum Start in das neue Leben. Eine als drohende Erstickung erlebte traumatisierende Austreibungsphase, ggf. mit Nabelschnurumschlingung des Halses oder übermäßigem Druck auf die weichen und noch stark verschieblichen Schädelknochen, aber ggf. auch schon eine zu frühe Durchtrennung der noch pulsierenden Nabelschnur, die unge-wohnt helle und oft stressbesetzte Umgebung und die häufige Trennung von der Mutter, v. a. bei Frühgeborenen, sind weitere, zum Teil vermeidbare Stressfaktoren für den sensiblen Organismus des Neugeborenen. Alle diese Traumata hinterlassen möglicherweise ihre Spuren im Nabel und wirken sich vielleicht ein Leben lang von dort als stressinduzierender Urstörherd auf die gesamte Körper-Seele-Geist-Einheit des neuen Menschen aus.
Die Durchtrennung der Nabelschnur mit ihren Gefäßen, Nerven und Faszien wird auf diese Weise bei dem unvorstellbar komplexen Prozess der Menschwerdung zur ersten und erfahrungsreichsten Narbe. Die Nabelintegration, ggf. auch in der Aura, aber auch rückführende Therapieverfahren können bestimmten Anteilen unserer Körper-Seele in unterschiedlichr Intensität helfen, den Ge-burtsvorgang oder die damit verbundene energetische und emotionale Belastung in einer stressfrei-en Umgebung erneut zu erleben und verletzte Seelenanteile zu integrieren.