Fehlhaltungen

Skoliose

Eine strukturelle Skoliose ist eine fixierte, mit Verdrehung der Wirbelkörper verbundene, seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule. Dagegen lässt sich eine funktionelle Skoliose durch Behebung ihrer Ursache, z.B. einer Beinlängendifferenz beheben. Liegt, wie bei einer Beckenverwringung, zusätzlich eine funktionelle Verdrehung der Wirbelsäule vor, erhöht sich die Gefahr der strukturellen Fixierung. Diese erfolgt im Durchschnitt nach ca. neun Monaten. Entsprechend braucht es eine längere Behandlung, um den Körper wieder ganz in seine Mitte zu begleiten. In zwei Drittel der Skoliosen entspricht die Richtung der LWS Krümmung der verkürzten Beinseite sowie gemäß eigener Beobachtungen der durch die Beckenvwerwringung in den meisten Fällen induzierten Rechtsdrehung des Rumpfes. Die BWS-Krümmung geht entsprechend zur Gegenseite.
Die Behandlung sowohl von strukturellen wie auch funktionellen Skoliosen erfolgt in der Ortho-Bionomy wie üblich durch Betonung des vorhandenen Musters. Dabei werden zunächst die funktionellen Anteile, die durch Muskel- und Faszienverkürzungen und Gelenkirritationen bedingt sind, behandelt.
In der Integralen Orthopädie erfolgt zunächst die beschriebene Behandlung der Beckenverwringung unter Berücksichtigung aller möglicher Stress induzierenden Ursachen. Die gleichzeitig erfolgende Entlastung des vegetativen Nervensystems induziert eine Entspannung des Fsziensystems. Erst danach erfolgt die Entlastung der Bein- und Wirbelgelenke und der zugehörigen Muskeln. Abschließend empfiehlt sich eine Lagerung in Bauchlage. Dabei werden Kissen bzw. Softbälle unter Schultern bzw. Becken gelegt zur Verstärkung des vorhandenen Musters. Zum Beispiel zeigt die häufigste Form der Verwringung, die mit einer linksseitigen Hüftbeuger- und rechtsseitigen Adduktorenverspannung verbunden ist, eine Verkrümmung der LWS nach rechts und BWS nach links. Bei der Untersuchung im Stand zeigt sich dabei ein abgeflachtes Taillendreieck rechts und ein Rippenbuckel links, vor allem bei Rückneigung. Die Entlastung erfolgt in Bauchlage durch ein Kissen unter dem re. Beckenkamm sowie der linken Schulter. Bei subjektiv entsprechendem Gefühl kann die Lagerung auch mit beidseitigen, unterschiedlich hohen Kissen erfolgen. Die Lagerung muss in jedem Fall als Entlastung empfunden werden. Zur aktiven Kräftigung der Brust- und Bauchmuskeln und Lockerung der kleinen Wirbelgelenke kann in dieser Position mit Schulter und Hüfte wiederholt ein etwas länger anhaltender Druck gegen die Unterlage eingesetzt werden. Zur weiteren Entlastung können Schulter und Becken auch vom Partner oder Behandler aus dieser Position heraus noch weiter angehoben werden bis sich druckschmerzhafte Zonen neben der Wirbelsäule entspannen. Aus dieser Position kann dann wieder ein Druck gegen die Hand des Behandlers aufgebaut werden. Zur täglichen Gymnastik sind auch entsprechende Übungen im Stand oder im Liegen mit dem Theraband sehr gut geeignet.

Sternosymphyseale Fehlhaltung nach Brügger

Diese schon bei Jugendlichen sehr häufige Fehlhaltung ist gekennzeichnet durch Verkürzung der Muskeln und Faszien des vorderen Körperseite, also v.a. auch zwischen Brustbein (Sternum) und Schambeinfuge (Symphyse). Besonders auffällig sind die vorgezogenen Schultern und die verkürzten Hüftbeuger. Auf Grund von zunehmenden Bewegungsmangel und Fehlhaltungen hat sie sich zu einer der häufigsten Ursachen von Rückenschmerzen entwickelt. Krankengymnastik, Therabandübungen und die ortho-bionomische Behandlung zielen v.a. auf eine Entlastung der verkürzten Brust- und Bauchmuskeln und Kräftigung der hinteren Rumpfmuskeln. Die Entlastung kann in diesem Fall durch Lagerung in Rückenlage mit Kissen unter Nacken und Schultern und einer Rolle unter den Knien unterstützt werden. Eine geeignete Theraband Übung zur Entlastung des kleinen Brustmuskels erfolgt durch diagonales nach oben und außen Ziehen des gestreckten Armes gegen Widerstand eines unter dem gegenseitigen Fuß fixierten weichen Therabandes entlastet werden. Die Kräftigung und Mobilisation des innen hinter dem Schulterblatt liegenden vorderen Sägemuskels kann durch Zurückziehen der Schulter gegen Widerstand eines vorn fixierten Therabandes erfolgen (Literaturempfehlung Rückenschmerzen verstehen und behandeln, Klaus Weber/Michaela Wiese)