ISG Blockaden

Als ISG oder Iliosacralgelenk bzw. SIG oder Sacroiliacalgelenk und zu deutsch Kreuz-Darmbeingelenk,  oder korrekter KD-Fuge, wird die bindegewebige Verbindung zwischen dem Ilium (Darmbein) und dem Sacrum (Kreuzbein) bezeichnet.

Die Wirbelsäule ist normalerweise mit dem handtellergroßen Kreuzbein federnd im Dreieck zwischen den beiden Darmbeinen im Becken aufgehängt. Verspannungen der Muskulatur und des Fasziensystemes durch Verheben, Fehlhaltungen, Verkühlen oder eine stressbedingte Anspannung des vegetativen Nervensystems können zu einer fixierten Fehlstellung der Iliosacralgelenke, meist im Rahmen einer Beckenverwringung  führen.

Bei chronischer Instabilität der ISG führen schon leichte Überlastungen zu einer Verschiebung der ISG mit Verspannung der unteren Rücken- und Hüftmuskulatur, oft im Sinne einer Beckenverwringung (siehe dort). Eine ISG-Blockade kann auch schon Mal isoliert auftreten, aber meist ist sie nur ein Teil eines komplexen Verspannungsmusters.

Auswirkungen:
Die gestörte Schwingungsfähigkeit der Wirbelsäule im Becken kann mehr oder weniger schmerzhaft sein und führt zu einer verminderten Belastbarkeit des Rückens mit Schmerzen v.a. beim Bücken, längeren Sitzen, Stehen oder Liegen.

Die meisten Rückenschmerzen, aber auch Nacken- oder Beinschmerzen beginnen mit einer Irritation, bzw. „Blockade“ des ISG. Diese ist wiederum sehr oft verbunden mit einer Verspannung der Schambeinfuge vorne in Beckenmitte sowie der beiden unteren Brustwirbel bzw. Rippen. Der hauptverantwortliche Muskel für Rückenschmerzen und einseitige, bzw. beidseitige Streckfehlhaltung ist der quadratische Lendenmuskel ( Quadratus lumborum). Dieser zieht von der zwölften Rippe zum Darmbein. Der hauptverantwortliche Muskel für Beinschmerzen ist der birnenförmige Piriformis.  Dieser zieht über den Ischiadicusnerven im Gesäß von der Hüftaußenseite zum Kreuzbein.  Über die gleichzeitige Verspannung der vorderen Faszienbahnen  besteht von der Leiste über einen diagonalen Muskelkettenzug ein Bezug zu den Kopfgelenken, mit gegenseitigen Atlasblockaden, und von dort zu den Kiefergelenken.
Irritationen der Kopfgelenke verbunden mit einer gleichseitigen Verkürzung des Kopfnickers sind auch oft verantwortlich für Schwindel, Ohrgeräusche und manchmal auch Sehstörungen.
Auf Grund der Fehlhaltung des Beckens mit Verwringung der Wirbelsäule und Beinverkürzung auf der Seite des stärker blockierten ISG bzw. Beinverlängerung auf Seite der blockierten Hüfte kommt es zur Verschiebung der kleinen Wirbelgelenke mit möglicher Auswirkung auf alle Organbereiche.
Im oberen Brustbereich kann dies mit Herzrhythmusstörungen und Blutdruckanstieg verbunden sein, insbesondere bei einer Blockade der vierten Rippe links. Vom unteren Brust- bzw. oberen Lendenbereich kann eine wechselseitige Verbindung zu Problemen der Bauchorgane bestehen, insbesondere auch des Darmes.
Dadurch erklärt sich auch ein Bezug z.B. zu Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
In der unteren Lendenwirbelsäule entstehen bei Ignorieren der ISG Blockaden bzw. Überdeckung durch Schmerzmitteleinnahme leichter Bandscheibenschäden und verschleiß- oder verspannungsbedingte Einengungen der Nervenaustrittslöcher mit entsprechendem Druck auf den Ischiasnerven und ausstrahlenden Schmerzen in die Beine.
Ein Bezug zu den Beinen besteht auch durch die Muskel-Gelenk-Ketten und Faszienzüge über die Hüft- und Kniegelenke bis hin zu den Füßen. So können z.B. Verspannungen der Kieferregion aber auch Fußfehlstellungen, verbliebene Verspannungen der Sprunggelenke nach einer lange zurück liegenden Verrenkung oder eine unbewusste Fehlbelastung infolge von Knieschmerzen oder nach einem Trauma zu einer Instabilität der ISG-Region führen.
Auch existiert eine direkte Verbindung zur Psyche: Über das Zwischenhirn besteht eine, in beide Richtungen wirksame Beziehung zwischen ISG-Blockaden und depressiven Verstimmungen.
Noch bedeutsamer ist die Verbindung zum vegetativen Nervensystem. Bei Stress kommt es sehr schnell zu einer Regulationsstörung im Sonnengeflecht, einem wichtigen vegetativen Nervenzentrum im Oberbauch, mit anhaltendem Sympathikotonus und Erschöpfung des Leistungs- bzw. Stressmodus  und insuffizientem Parasympathikus bzw. Vagus, dessen Hauptnerv und insuffizientem Entspannungs- und Regenerationsmodus.
Die erste Reaktion des Bewegungsapparates auf Stress ist eine asymmetrische Verspannung, der in der Nähe des Sonnengeflechts entspringenden Rücken- und Hüftmuskulatur, eine Beckenverwringung (siehe dort). Diese ist immer verbunden mit ISG Blockaden.
Bei anhaltendem Stress kommt es darüber hinaus zu Verschlackungen des bindegewebigen Grundsystems und Verdickungen der Faszien, va. im unteren Rückenbereich (siehe bei Faszien und Grundsystem).
Der untere Rücken wird immer störanfälliger und reagiert immer schneller mit Blockaden der ISG.
Weitere psychosomatische und energetische Auswirkungen von ISG Blockaden bestehen durch die Lage eines wichtige Nervenzentren dess Vagusnerven vor dem Kreuzbein mit möglichen Auswirkungen auch auf die Libido, in der TCM durch den Ursprung der beiden wichtigsten Sondermeridiane des Akupunktursystems unterhalb des Kreuzbeins und im Ayurveda durch die Position des ersten und zweiten Energierades (Chakras) vor dem Kreuzbein.

Diagnose:
Folgende Test geben einen Hinweis auf eine ISG Blockade:
1. Variable Beinlängendifferenz:
Beim Aufrichten aus der Rückenlage schiebt sich das Bein auf der Seite des blockierten ISG nach vorn und erscheint länger.
2. Vorlauf Phänomen:
Beim nach vorn Beugen des Rumpfes rutscht der obere hintere Darmbeinstachel am Rande des ISG auf der Seite der Blockade nach oben. Geschieht dies nur im Stehen und nicht im Sitzen ist das ein Hinweis auf ursächliche Mitbeteiligung der Beine.
3. Patrick Zeichen:
Eingeschränkte Abspreizung der gebeugten Hüfte auf der blockierten Seite. Ist das Bein auf dieser Seite im Liegen jedoch länger, ist dies eher ein Zeichen für eine Hüftgelenksblockade. Diese lässt sich nach Dorn durch Streckung des gebeugten Beines gegen den Widerstand eines unter dem Oberschenkel gehaltenen Bandes behandeln.
Auch eine Symphysenirritation kann durch Verspannung der dort ansetzenden Adduktoren zu einer verminderten gebeugten Abspreizung der Hüfte führen. Die Symphysenirritation kann durch Verdrehen der beiden Schambeine in die den Druckschmerz über der Schambeinfuge reduzierende Richtung entlastet werden.
4. Beckenverwringung:
Gleichzeitig zu 3. liegt eine Verkürzung des gegenseitigen Hüftbeugers vor. Diese zeigt sich durch Anheben des gestreckten Beines, wenn das gegenseitige Knie zur Brust gezogen wird.

Therapie:
Das ISG kann wie eine Sicherung sowohl im Muskel- Faszien- Gelenk System sowie im psychosomatischen Informations- und Energiekreislauf gesehen werden. Bei Überlastung brennt sie durch, oft um Schäden an empfindlichen Strukturen, wie dem Rückenmark oder dem Ischiasnerven vorzubeugen.
Die Überlastung kann mechanisch bedingt sein, z.B. durch eine Fehlhaltung oder psychisch durch eine innere Anspannung.
Die Behandlung in der Integralen Orthopädie berücksichtigt sowohl, die in der Regel vorliegende, stressbedingte Fixation des vegetativen Nervensystems im Sympathikotonus, wie auch das Muskel-, Faszien- Gelenk- sowie Meridiansystem.

Über den Nabel besteht ein faszialer Bezug zum Sonnengeflecht, das für die Regulation zwischen Stress- und Entspannungsmodus zuständig ist, sowie zu den Nebennieren, die für Cortisol- und Adrenalin Ausschüttung verantwortlich sind. Zusätzlich wirkt der Nabel als zentraler Verbindungs- und Entlastungspunkt für das gesamte Fasziennetz, übergeordneter Störherd und zentraler Verteilungspunkt im Meridiansystem der TCM.
Wird nur die Sicherung chirotherapeutisch oder osteopathisch „eingerenkt“ und nicht die Ursache der Überlastung berücksichtigt, kommt es in immer kürzeren Abständen immer wieder zur Blockierung des ISG und damit zur Überlastung sowohl des Körpers, als auch der Psyche und der Energiesysteme.

Selbstbehandlung:
1. Nabelreflex
Zur Entspannung der Rücken- und Hüftbeugemuskeln sowie der Rücken- und Beckenfaszien wird eine Hand mit dem Daumen nach vorn auf den Beckenkamm und mit Handfläche und Fingern auf den Rücken- und über den hinteren Beckenkamm gelegt.
Ein Finger der anderen Hand schiebt gleichzeitig sanft den Nabel in die Richtung mit dem geringsten Widerstand. Die Position wird nach einigen Minuten gewechselt.
Oft müssen auch Störherde, wie die Mandelregion oder Narben über den Nabelreflex entlastet werden. Dazu legt sich eine Hand quer auf den Hals (Vagusnervenentlastung) oder berührt die Narben und verschiebt diese ggf. auch sanft in die angenehme Richtung, während die andere Hand den Nabel entspannt (siehe bei Integrationstechniken).

2. Kreuzbeinintegration
a ISG und Wirbelgelenke: Die Entlastung der beiden ISG und übrigen lumbalen Wirbelgelenke erfolgt anschließend nach ortho-bionomischen Prinzipien in Bauchlage. Das heißt wir arbeiten mit dem Körper, nicht gegen ihn. Ein verkürzter Muskel wird entspannt. Ein irritiertes Gelenk wird in die sogenannte freie Richtung geschoben, die einen Druckschmerz über dem Gelenk entlastet.  Druckschmerzhafte ISG und ggf. ebenfalls druckschmerzhafte Wirbelgelenke werden entsprechend vom Partner mit einem Finger berührt und das Becken der gleichen Seite wird soweit angehoben, bis die irritierten Gelenke sich nach und nach entspannen. Chronische Blockaden brauchen manchmal einige Minuten und oft löst sich dann auch der dort gestaute emotionale Stress und es entspannt sich das ganze Fasziensystem einschließlich der Beckenverwringung.  Nach der beidseitigen Durchführung können, wenn dies angenehm ist, zwei Softbälle oder zusammengerollte Handtücher unter die beiden Beckenkämme gelegt. Verbliebene Schmerzpunkte am ISG oder über der Gesäßmuskulatur werden durch Verschieben des Kreuzbeins in die freie Richtung entlastet.

3. Quadratus lumborum und 12.Rippe: Zur Entspannung des Quadratus lumborum wird dessen Triggerpunkt in der hinteren Flanke gehalten und aus einer leichten Seitneigung des Rumpfes das Becken entweder leicht angehoben oder zur Unterlage gedrückt und zur zwölften Rippe geschoben. Gleichzeitig wird diese unter dem Rippenbogen berührt und in die freie Richtung geschoben, die den Druckschmerz reduziert, meist nach hinten zur Wirbelsäule , aber ggf. auch nach vorn in Richtung Nabel .

4. Pririformis: Bei einem Druckschmerz im mittleren Gesäßbereich wird das gleichseitige Kissen unter dem Becken entfernt. Dadurch erfolgt eine Entlastung der am Kreuzbein ansetzenden Beckenbänder. Unter Palpation des Piriformis, bzw. der parallel laufenden hinteren Beckenbänder wird zunächst die für diese Region entlastende Richtung des Kreuzbeins herausgefunden (meist nach unten und zur Piriformisseite) und gehalten. Der gleichseitige Fuß wird, wenn dies den Druckschmerz weiter reduziert  in die gegenseitige Kniekehle gelegt.  Die andere Hand schiebt durch Schub des Gesäßes zum Kreuzbein den Piriformis bzw. die Beckenbänder zusammen.  Die richtige Positionierung zeigt sich wie immer durch eine vertiefte Atmung, eine Verminderung des Druckschmerz über den angrenzenden Schmerzzonen und ein sich im ganzen Becken und ev. den Beinen ausbreitendes Wärme- und Wohlgefühl.
Zur Selbstbehandlung der übrigen Gelenke siehe bei ortho-bionomische Faszienintegration.

Das Beckenskelett mit dem Kreuzbein als unterstem großen Wirbel in der Mitte zwischen den beiden Darmbeinen. Es folgen nach oben die Lendenwirbelsäule und nach unten das Steißbein.

Nabelreflex mit Flankengriff

Kreuzbeinintegration