+49 (0)221-12069894 kermani@zimt-koeln.de

Faszien

Faszien und Grundsystem

Faszien“ sind der Ort, wo man Krankheit suchen muss, sie sind aber auch der Ort, wo Heilung beginnt“, sagte Andrew T. Still, der Begründer der Osteopathie.

Faszien verbinden, wie die deutsche Bezeichnung Bindegewebe deutlich macht.
Sie sind ein z. T. hauchdünnes, fibröses Geflecht, das nicht nur alle Muskeln und Organe sondern auch Gehirn und Rückenmark, sowie die von dort in den Körper ziehenden Nervenstränge umhüllt und als Unterhautbindegewebe die Haut mit dem Körper verbindet.

Faszien halten und formen aber auch. Als hauchdünne bis millimeterdicke Faserplatten stabilisieren sie den Bewegungsapparat. Ohne die Faszienhülle würden Muskeln wie Sirup auseinanderfließen und nie die ansprechende Form, Elastizität und Dynamik halten können, die wir Ihnen gerne antrainieren möchten.

Faszien tragen und steuern uns. Als vielverzweigtes kontinuierliches Netzwerk von Spannungsverbindungen bilden sie ein dreidimensionales, hochsensibles System, das möglicherweise Form und Belastungsverhalten des Körpers stärker beeinflusst als das Muskel- und Skelettsystem (Myers/Schleip). Das heißt, wir werden von dem Netzwerk der Faszien und Muskeln getragen und die Knochen spielen eher eine Rolle als Verstrebungen und Spannungshalter wie die „tensegrity“ Hypothese nahe legt.

Faszien bewegen und stärken uns und können Energie speichern. Wir werden von den Faszien nicht nur verbunden, gehalten, getragen und gesteuert sondern durch die ihnen inne wohnende Elastizität und Spannkraft auch bewegt. Wie die Untersuchung der Sehnen von extrem weit und lange Strecken ohne Ermüdung springenden bzw. laufenden Tieren gezeigt hat, speichern die Faszien des Fußgewölbes und der Unterschenkel durch Dehnung erzeugte Energie und geben diese dann beim Absprung an die Muskulatur ab. Wir laufen also weniger durch Muskelkraft, als durch die Elastizität unserer Faszien. Aber auch der Haltetonus unserer Muskulatur , insbesondere des Rückens wird durch die Elastizität der Faszien aufrecht gehalten (Gracovetsky).

Faszien sind strukturiert. Man kann sich das Faszien- oder Bindegewebsnetz des Körpers wie ein Spinnennetz vorstellen, in dem die Bewegung oder Bewegungsblockade jeder Faser Einfluss auf alle anderen hat. Normalerweise ist das Fasziennetz in einer Scherengitterstruktur mit einem Winkel von fünfundfünfzig Grad aufgebaut, etwa wie eine Strumpfhose. Obwohl die einzelne Faszienfaser kaum dehnbar ist, wird dadurch eine starke horizontale Dehnbarkeit des Fasernetzes ermöglicht.
Der amerikanische Anatom Myers beschreibt eine Strukturierung dieses Netzes in Form von Längszügen, den myofaszialen Leitbahnen, die auch eine Entsprechung zu den Akupunkturmeridianen der TCM zeigen.
So lässt sich eine im Stand verspannte Schulter plötzlich besser bewegen oder löst sich ein fixiertes ISG, wenn die Faszienirritation eines Fuß- oder Beingelenks im Sitzen entlastet wird.

Faszien können schmerzen. Faszien haben besonders am Rücken, an dem Übergang zu Knochen und Gelenken eine hohe Dichte von Schmerzrezeptoren (Heine, Langevin). Einseitige oder übermäßige Belastungen, Bewegungsmangel und Stress vermindern durch Verschlackung des Stoffwechsels in der Grundsubstanz sowie Verfilzung der faszialen Zellstrukturen die Schmerzschwelle in diesen Schmerzrezeptoren und erhöhen durch eine Abnahme der elastischen Beweglichkeit das Risiko von zusätzlichen „Verrenkungen“ oder anderen kleineren oder größeren Verletzungen. Manche Verletzungen können über das Fasziennetz als Störherde auch Schmerzen und Störungen in ganz anderen Körperregionen hervorrufe oder eine Regulationsstarre des autonomen Nervensystem provozieren mit den entsprechenden Konsequenzen für den gesamten Organismus, einschließlich einer Beckenverwringung.

Faszien verkleben bei Stress. Stress und Bewegungsmangel führen zu einer „trockenen Verfilzung“ der Faszien. Das Netz verliert seine Ausrichtung und damit seine Dehnbarkeit. Überlastung hingegen bewirkt eher eine entzündliche, “feuchte“ Verfilzung und damit ebenfalls Verklebungen und Störungen der Ausrichtung des Netzes.
Bei anhaltendem Stress kann die Ausschüttung des Botenstoffes TGFB zu einer Aktivierung von Bindegewebsstabilisatoren, den „Myofibroblasten“ führen. Diese können innerhalb weniger Stunden bei gleichzeitigem Bewegungsmangel über eine Neubildung von zarten klebstoffartigen Verbindungen eine Faszienversteifung bewirken. Entsprechend können Sport oder Yoga im Anschluss an eine Stressphase diese direkt auflösen.
Chronische Rückenschmerzpatienten zeigen nicht nur eine erhöhte Dichte dieser muskelfaserbildenden Zellen oder Myofibroblasten (Schleip), sondern in der Folge auch eine Verdickung und gestörte Gleitfähigkeit der großen Rückenfaszie (Langevin) mit ihren drei übereinander liegenden Schichten.

Faszien brauchen Bewegung. Bei Bewegungsmangel bilden sich zusätzlich sogenannte „cross links“ zwischen antagonistisch wirkenden Muskeln und bewirken eine zunehmende Versteifung und Verfilzung, die auch schmerzhaften Druck auf Nervenfasern ausüben kann.
Regelmäßige Bewegung, insbesondere Dehnungen, möglichst in alle Richtungen, wie beim Stretching oder Yoga können auch diese neuen Verklebungen wieder auflösen.
Wechselnder Druck durch Muskelarbeit kann die Flüssigkeit samt den darin befindlichen Stoffwechselschlacken aus der faszialen Grundsubstanz auspressen und Raum geben für frische neue Flüssigkeit und Energie.
Anhaltende Muskelverspannung dagegen kann zu einem Lymphstau in der Grundsubstanz führen. Substanzen wie Adenosintriphosphat können dann zu einem Umbau des in der Lymphe gelösten Gerinnungsfaktors, Fibrinogen zu dem unlöslichen Fibrin führen und eine Verklebung von Faszien bewirken (Paulini).

Faszien reagieren auf Behandlungen und auf Entspannung. In der klassischen Bindegewebsmassage sowie auch beim Rolfing werden Faszien durch langsamen, festen Druck platt und damit auch leer gedrückt und entschlackt. Aber auch sanfte Techniken können eine starke Wirkung auf das Fasziensystem haben. Sanfte Berührungen, wie bei der Ortho-Bionomy oder zum Beispiel Ayurvedamassagen können über die Ausschüttung eines bestimmten Botenstoffes (Matrix-metalloproteinase-1) überschüssiges Kollagen, also die festen Fasern des Bindegewebes, auflösen (Zheng et.al, zit. bei Xander).
Eine anhaltende, sanfte Tangentialbelastung senkt über bestimmte fasziale Wahrnehmungszellen, die „Ruffini“-Rezeptoren sowie die freien Nervenendigungen nachweislich die Sympathikusaktivität (Schleip). Das Ruffini-Körperchen hat die Form eines Zylinders. Durch die Öffnungen treten kollagene Faserbündel. Dazwischen sind die Enden von Nervenfasern verankert. Pacinikörperchen reagieren eher auf Druckwechsel, wie z.B. schaukelndes Massieren.
Als Hinweis auf Verflechtung des Bindegewebes mit dem Bewusstsein wurde festgestellt, dass Meditation, bewusstes Atmen und andere, die Achtsamkeit fördernde Maßnahmen zu einer erhöhten Ausschüttung des Botenstoffes Stickoxid (NO) führen können. Dieses veranlasst die Selbstauflösung überaktiver, Fasern bildender Zellen (Myo-Fibroblasten). So hat bewusste und ggf. auch mit der Atmung koordinierte, dehnende Bewegung einen vielfachen positiven Einfluss auf ein elastisches und gut leitendes Fasziensystem.
Die Kombination von langsamen und schnellem, festem und sanften Druck sowie Streich- und Schiebebewegungen, sanftem und festem Dehnen, Schaukeln, Schütteln, Klopfen und Halten zusammen mit einer gleichzeitigen Entspannung, Achtsamkeit und Absichtslosigkeit des Therapeuten erklären entsprechend die sehr tief gehende Regeneration durch Breema, einer Therapieform aus meiner Heimat, dem Iran, die vor zwei Jahrzehnten in Amerika bekannt und systematisiert wurde. Inzwischen ist Breema ein fester Bestandteil der Behandlungen in unserer Praxis geworden.
Aber auch jede Belastung innerhalb der individuellen Grenzen der Belastbarkeit trainiert nicht nur die Muskeln sondern auch das Fasziengewebe. Der beste Stimulus zum Training der Faszien ist die immer wieder wechselnde Belastung in verschiedenen Positionen mit zwischendurch eingebauten Dehnungen.

Aber Faszien sind noch geheimnisvoller.

Faszien leiten. In den Faszien befinden sich zahlreiche Transportwege, die in ihrer Gesamtheit als Grundsystem, Matrix oder Zwischenzellsubstanz eine grundlegende Rolle für Stoffwechsel- und Immun-Regulation und die Informationsleitung im Körper besitzt. In diesem von Faszien umhüllten, den ganzen Körper verbindenden, lymphatischen Grundsystem treffen sich die Ausläufer des Blut-, Lymph- und Nervensystems. Das Fasziensystem scheint mit seinen molekularen, zellulären, hormonellen, piezoelektromagnetischen, neurologischen, flüssigen und energetischen Interaktionen das größte Übertragungsmedium des Körpers zu sein (Beuckels).

Faszien spüren und informieren. Die enorme Zahl freier Nervenendigungen und Dehnungsrezeptoren macht das Bindegewebe zu unserem empfindlichsten Wahrnehmungsorgan, insbesondere für die Körperwahrnehmung. Aber nicht nur Informationen über Bewegung, Lage, Spannung, Druck, Temperaturen und Schmerzen werden an das vegetative Nervensystem und das Gehirn weitergeleitet.
Im Hinblick auf die molekularen Strukturen hat das Fasziensystem die kristallinen Eigenschaf-ten eines großen Flüssigkeitskristalls, der ständig seine Struktur verändert und dabei wie ein Sender und Empfänger elektromagnetische Wellen erzeugt und auf solche reagiert (Schlage, Xander).
Durch die zahlreich vertretenen, v.a. sympathischen Nervenfasern besteht auch eine wechselseitige Beziehung zwischen Fasziensystem und dem vegetativen Nervensystem und damit auch zu unseren Gefühlen sowie den Gefühlen von Menschen und Tieren in unserer Umgebung.

Faszien reagieren auf Stress mit einer Beckenverwringung. Die schrittweise Entlastung von aktiven Störherden oder anderen ursächlich beteiligten Irritationen im oder ausserhalb des Körpers führt jeweils immer direkt zu einer vorübergehenden Auflösung der Beckenverwringung. Die Entspannung ist länger anhaltend, wenn alle Stressfaktoren entlastet sind. Sie muss aber bei erneutem Stress aufgefrischt werden.

Faszien treten in Resonanz. In einem gesunden Körper schwingen alle Zellen in Resonanz. Unharmonische Schwingungen im und außerhalb des Körpers, wie Narben oder fest gehaltene, unverarbeitete Emotionen belasten das Fasziensystem und über das vegetative Nervensystem die unbewussten Körpervorgänge sowie unser Bewusstsein. Der Nabel als Aufhängungspunkt des Fasziensystems gibt indischen Forschungen(Mukunda)zufolge den individuellen Grundton des Körpers an. Krankheit entstehe als Folge einer Verstimmung dieses Grundtone. Die Wirkung der Nabelintegration ließe sich entsprechend erklären durch Entspannung und Harmonisierung des Nabels und Weiterleitung seiner Schwingung an andere Zonen mit gestörtem Schwingungsmuster.

Faszien haben ein Gedächtnis. Faszien reagieren nicht nur auf Emotionen, sie können diese auch speichern (Minasny). So erfahren Therapeut als auch Patient regelmäßig bei der Behandlung von traumatisch belasteten Faszien, speziell auch von Narbengewebe oder irritierten Schlüsselgelenkn, wie am Atlas, die Freisetzung von zum Traumazeitpunkt verdrängten Emotionen. Als Folge der gleichzeitigen Entspannung des autonomen Nervensystems und des gesamten Fasziensystems zeigt sich auch immer die direkte Auflösung einer Beckenverwringung.

Faszien treffen sich im Nabel. Dem Nabel kommt auf Grund seiner Verflechtung mit den meisten Faszienzügen die Bedeutung des wichtigsten Aufhängungs- und Verbindungspunktes des Fasziennetz zu. Neben den direkten Verbindungen zum Bauchfell oder Peritoneum und damit zum Darm, sowie zur Leber, zum Zwerchfell und darüber zum Herzbeutel oder Perikard und nach unten zum Urogenitaltrakt bestehen über die myofaszialen Leitbahnen indirekte, therapeutisch ebenfalls relevante Verbindungen nach oben bis zum Schädel, nach unten bis zum Fußgewölbe und nach hinten zur Wirbelsäule.
Insbesondere besteht ein enger Bezug zum Übergang der Brust- zur Lendenwirbelsäule und der zwölften Rippe, die direkt über der Nebenniere liegt, der Produzentin unserer Stresshormone. Der für Rückenschmerzen hauptverantwortliche Quadratus lumborum Muskel verbindet die zwölfte Rippe mit dem Becken und ISG und setzt sich fort zu den Hüftanspreizern oder Adduktoren.
Der Hüftbeuger oder Iliopsoas wiederum verbindet die Querfortsätze der Lendenwirbelsäule oder LWS mit der Hüfte. So erklärt sich anatomisch die entspannende Wirkung der Nabelintegration mit dem Flankengriff.
Die senkrecht über dem Nabel verlaufende Linea alba und der Rectus abdominis verlaufen funktionell über Schambeine, Beckenboden, ventrale Sakralfaszie und vorderes Längsband der Wirbelsäule wieder hoch bis zum dorsolumbalen Übergang und weiter bis zum Schädel.
Über die Transversal-Faszie und die peritonealen Verbindungen zum Zwerchfell besteht eine weitere Verbindung von Nabel, Oberbauch mit Nebenniere und Plexus Solaris und dem Ursprung von Hüftbeugern und Rückenstreckern.
Neben dem Nabel liegen auch therapeutisch nutzbare Reflexzonen für den Rückenstrecker und die Nierenregion. Und die Nabelregion gilt in der TCM als wichtigstes Energiereservoir, aus dem der ganze Körper gespeist wird. Der sensible Therapeut oder Patient kann über eine Verschiebung des Nabels überall im Körper die Zu- oder Abnahme der Spannung eines Referenzpunktes spüren. Dies ist prinzipiell bei zahlreichen Bezugssystemen im Rahmen der Osteopathie, Akupunktur oder Kinesiologie möglich. Für die FIT besonders relevant ist jedoch die fasziale Verbindung von Nabel, Nebennieren, den vegetativen Nervengeflechten im Oberbauch, dem sympathischen Solarplexus und dem Vagusgeflecht am querverlaufenden Dickdarm sowie über die große Bauch- und Rückenfaszie dem funktionell wichtigen Übergang der Brust- zur Lendenwirbelsäule. Dadurch ergibt sich besonders eine ursächliche Beeinflussungsmöglichkeit von allen stressbedingten Beschwerden und Erkrankungen.
Durch die immer nachweisbare Auflösung der, immer auch stressbedingten, Beckenverwringung ergibt sich ein besonders nachhaltiger Entspannungseffekt auf chronische Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen.
Die Weiterleitung der vegetativen Entspannungsimpulse vom Nabel als zentralen, faszialen Ankerpunkt oder Narben als örtlich lokalisierte Ankerpunkte kann aber auch über das Fasziennetz den ganzen Körper erreichen. Als Hinweis auf die bindegewebige Verbindung des Nabels mit dem ganzen Körper kann auch gesehen werden, dass sich die freie Richtung des Nabels nach Behandlung einer relevanten Narbe oder relevanten, myofaszialen Irritation oft direkt verändert.

Faszien reagieren auf Integrationstechniken. Die hohe Dichte der sympathischen Nervenendigungen in der fascialen Grundsubstanz ermöglicht eine tiefe Entspannung des Sympathikus durch die Entspannung des Fasziensystems über seinen Aufhängungspunkt, den Nabel. Mit der offensichtlich frei werdenden Energie lassen sich nachweislich Störherde und Schmerzzonen entlasten. Die zusätzliche Behandlung von örtlichen Irritationen unterstützt die generelle Entlastung des Fasziensystems.
Die Techniken der Nabel- und Narbenintegration können laut Klaus Weber und Michaela Wiese, den Leitern des Deutschen Institutes für Ortho-Bionomy in diesem Zusammenhang als eine „fasziale Reaktionsübertragung unter Entlastung von Schlüsselpositionen bei der Informationsübertragung in der bindegewebigen Zwischenzellsubstanz“ verstanden werden. In ihrem Buch, „Rückenschmerzen verstehen, behandeln und vorbeugen“ schreiben sie über die, damals noch Nabelsynchronisation genannte Nabelintegration nach Kermani : „Über den Nabel als ventralen, faszialen Ankerpunkt der Rumpfwand können die myofaszialen, dorsalen Spannungsverhältnisse positiv beeinflusst werden“. Und „am Nabel treffen sich prä- und postnatale Erfahrungen mit der Struktur und Funktion eines zentralen Umschaltpunktes der ventralen myofaszialen Kette“. Auch der amerikanische Anatom Myers beschreibt in seinem Buch über die myofaszialen Leitbahnen den Nabel als „die Quelle des Nährenden in den ersten neun Mona-ten“, sowie „eine reiche Quelle emotionaler als auch faszialer Verbindungen.“

Faszien interagieren mit unserer Aura. Die direkte Auflösung einer Beckenverwringung durch Entlastung einer belasteten Zone im Energiefeld des Körpers beweist eine funktionell relevante Verbindung unserer, bislang wissenschaftlich nicht anerkannten Aura mit unserem Körper.

Faszien bergen noch viele Geheimnisse. Sowohl der klinisch nachweisbare Effekt von Nabel- und Narbenintegration auf das vegetative Nervensystem, als auch die nachweisbare Faszien- und Muskelentspannung unter der zweiten Hand sind noch nicht ausreichend erklärt. Bei der Nabelintegration erfolgt die schnelle Entspannung des vegetativen Nervensystems lediglich durch die sanfte Verschiebung des Nabels und ist unabhängig von einer Verschiebung der Bauchfaszien. Letztere bewirkt eine örtliche Faszienentlastung, aber keinen spürbaren Energiestrom, keine vegetative Umschaltung und keine Ganzkörperentspannung.
Möglicherweise erfolgt bei der Nabel- und Narbenintegration durch Hemmung sympathischer Rezeptoren im Bindegewebe eine Umpolarisation der Atome und Moleküle.
Vorher positiv geladene Teilchen,sogenannte, freie Radikale, könnten neutralisiert werden und ein Strom an frei werdenden Elektronen, also negativ geladenen Energieteilchen oder konstruktiven Wellen wie durch ein Stromkabel über das fasziale Grundsystem des eigenen oder des Körpers einer zweiten Person weitergeleitet werden.

Faszien spornen die Forschung an. Einen entscheidenden Hinweis zum Verständnis der Wirkung der Integrationstechniken bietet die moderne Faszienforschung:
“Faszien scheinen nicht nur Spiegel des Vegetativums zu sein, sondern auch ein wichtiges Tor, um mittels manueller Therapie auf das gesamte vegetative System zu wirken“ (Schleip). Die übergeordnete Entspannungswirkung der Nabelintegration erklärt sich durch die Umschaltung des vegetativen Nervensystems und gesamten Fasziensystems vom Stress- in den Entspannungszustand. Die Freisetzung von therapeutisch nutzbarer und als Wärme spürbarer Energie, sowohl hinter dem Nabel im Bauch, als auch unter einer behandelten Narbe oder im Meridian- bzw. Faszienverlauf erklärt sich möglicherweise auch durch die veränderte Faszienspannung. Faszienmoleküle besitzen eine kristalline Struktur (Schlage) und Kristalle setzen auf Druck Energie frei (piezoelektrischer Effekt). Eine sanfte manuelle Behandlung sowie eine generalisierte Veränderung des Faszientonus könnte in diesem Sinne Elektronen freisetzen, die eine Umpolarisation von positiv geladenen Elektronen und damit Energie raubenden, freien Radikalen in neutral oder negativ geladene Teilchen in der Grundsubstanz des Fasziensystems bewirken. Ein weiterer Effekt von Nabel- und Narbenintegration wäre dann in der Folge die Veränderung eines stressbedingt, sauren Grundsystemmilieus mit vielen positiv geladenen Teilchen oder freien Radikalen in ein neutrales oder leicht alkalisches, dem Körper bekömmlicheres Milieu. Als mittel- und langfristige Wirkung bewirkt darüber hinaus möglicherweise ein extrem sanftes Verschieben wie bei der Narben- und Nabelintegration über eine Ausschüttung des Botenstoffes MMP-1 auch die Auflösung von überschüssigem Kollagen. (Zheng et al, J Biomech 45 zitiert bei Patrick Pfeiffer*). Eine therapeutische Erhöhung der Schmerzschwelle und damit Beeinflussung des bindegewebigen Anteils des Schmerzgedächtnisses könnte auch durch Umwandlung schmerzleitender Rezeptoren in druck- und bewegungsleitende Rezeptoren erfolgen (Stefan Albrecht).
Die Integrale Orthopädie bietet hier zum Teil nur theoretische Modelle einer möglichen Wirkungsweise der Integrationstechniken, ist aber daran interessiert, ihre Wirkungsweise, ihre synergistische Wirkung mit anderen sanften manuellen Techniken sowie Akupunktur und insbesondere auch Zusammenhänge zwischen rein energetischen Techniken und dem Fasziensystem in Zusammenarbeit mit anderen Kollegen weiter zu erforschen